Martin Krafft berichtet in einem Blog-Posting über “Linux for visually-impaired (developers)” von einem Vortrag eines Blinden Debian Entwicklers bei der LCA:
Wenn ich also über Jasons Präsentation schreibe, und wie toll sie war, möchte ich hervorheben ["highlight", Anm.d.Ü] wieviel größer die Leistung für ihn ist verglichen mit mir, weil er blind ist und ich nicht. Ich möchte ihn dadurch nicht aussondern ["single-out", auch "hervorheben", Anm.d.Ü.] oder in Verlegenheit bringen. Ich bin einfach beeindruckt, sehr beeindruckt. Und da ich bin wer ich bin, würde ich das gerne sagen.
Danke Jason.
[Meine Übersetzung aus dem Englischen]
Vorher hat er das halbe Posting darauf verwendet sich dafür zu entschuldigen, dass er es besonders toll findet, wenn sich Mitglieder von Minderheiten (sein Beispiel waren Frauen in der Debian Entwicklung), weil er “[...] wenn [er] einen solchen Kommentar [macht], könnte er dennoch jemanden ärgern oder bösartige Antworten hervorrufen [Meine Übersetzung aus dem Englischen]” Leider geht er nicht darauf ein, warum das so sein könnte, obwohl dort — meines Erachtens nach — der Schlüssel zu diesem Problem liegt.
Um das zu ergründen, vergleichen wir einmal die Aussagen “Ich fand Deinen Vortrag toll!” und “Dein Vortrag Deinen Vortrag toll, weil Du blind bist!” Die wichtige Frage für mich ist jetzt warum uns die Leistung eines Blinden (in diesem Fall einen der besten Vorträge auf einer größeren Konferenz zu halten) soviel mehr beeindruckt als die gleiche Leistung eines Sehenden? Meine persönliche Antwort ist ernüchternd: weil ich es nicht erwartet hätte! Kein Wunder, wenn sich jemand darüber aufregt, wenn man ihm ins Gesicht sagt, dass einen seine Leistung beeindruckt, weil man nicht erwartet hat, dass er es so gut hinbekommen hätte. Autsch! Ich glaube ich muss noch an (gegen) meinen Vorurteilen arbeiten.
Beobachtet Euch selbst bei solchen Aussagen, vielleicht ergeht es Euch auch so?
Update:Martin hat sein Posting mit einer Antwort aktualisiert und dabei — für mich am interessantesten — auch ein Zitat von Jason, das übertragen und übersetzt ca. so lautet:
Meine Arbeit soll an ihrer Qualität gemessen werden, nicht daran wer ich bin.
Darin spiegelt sich für mich die Essenz des zugrundeliegenden Problems mit unseren Vorurteilen wieder.